Also e bisje enttäuscht bin ich schunn gewähn...


Ja natürlich habe ich es auch getan. Das, was momentan wahrscheinlich jeder andere Landschafts-/Natur-/Astrofotograf macht: Den Kometen C/2020 F3 (Neowise) fotografiert. Und was soll ich sagen? Ich war etwas enttäuscht... Warum? Weil ich einfach etwas Anderes erwartet hatte! Nach den ganzen Medienberichten und Berichten von anderen Fotografen, habe ich irgendwie etwas Spektakuläreres erwartet. Natürlich wusste ich, dass auf den meisten Bildern, die ich gesehen habe, ein starkes Tele benutzt wurde. Aber trotzdem… Nach mehreren Berichten, wie toll und gut der Komet doch mit bloßem Auge zu sehen wäre (sogar so gut, dass man ihn selbst in Städten angeblich am Himmel erblicken könne), ha-be ich einfach etwas Größeres erwartet. Ja, ich konnte ihn mit bloßem Auge se-hen und ja, natürlich fand ich das auch spannend. Aber wenn ich mich zurückerinnere an das Jahr 1997 und den Kometen C/1997 O1 (Hale-Bopp) – soweit das meine Erinnerungen noch zulassen, schließlich war ich da gerade mal 7 Jahre alt – dann ist das, was ich in Erinnerung habe, viel spektakulärer und größer gewesen als der aktuelle Komet. Und ganz ehrlich: Hätte ich nicht gewusst, wo ich den Kometen am Nachthimmel finde, ich hätte ihn vermutlich nicht entdeckt. Vermutlich verwischt aber eine Nostalgiebrille, gepaart mit dem Fakt, dass ich da-mals eben noch so jung war, einen klaren und objektiven Vergleich der beiden Kometen.

Nichtsdestotrotz war das aber ein schöner Abend bzw. eine schöne Nacht. Gegen 21:45 Uhr habe ich mich auf den Weg zum Gollenstein in Blieskastel gemacht. Dort angekommen habe ich mir erst einmal mit Hilfe von Stellarium einen Überblick verschafft, wo genau der Komet auftauchen wird und mich dementsprechend positioniert. Gegen 23 Uhr war es dann auch soweit, dass der Nachthimmel endlich so dunkel war, dass man den Kometen erblicken konnte. Ich begann zu fotografieren, war aber nicht wirklich zufrieden mit den Bildern. Auch das Spielen mit verschiedenen Brennweiten, von Weitwinkel bis Tele, sowie dem Ausprobieren von verschiedenen Blickwinkeln, mit dem Gollenstein und dem Kometen im Bild, hat mir nicht wirklich ein Bild geliefert, mit dem ich glücklich war.

Nachdem ich mich etwa eine Stunde mit dem Kometen beschäftigt hatte, habe ich mich dazu entschieden, mich einem anderen Motiv zu widmen: Der Milch-straße. Diese war nämlich mittlerweile in der genau entgegengesetzten Richtung zum Kometen gut sichtbar. Außerdem stand die Milchstraße über dem Gollen-stein schon länger auf meiner Liste. Ich ergriff also die Gelegenheit und machte noch ein paar Bilder von unserer Galaxie über dem etwa 4000 Jahre alten Menhir. Und ich muss sagen: Das ist mein bisher bestes Milchstraßen-Bild geworden!

So kann ich abschließend sagen, dass trotz der kleinen Enttäuschung über den Kometen (vielleicht war ich auch einfach nur zur falschen Zeit da und vor 2 Wochen war er viel größer), es trotzdem wieder sehr schön und auch interessant war, diesen Himmelskörper zu sehen.

Von daher, wie immer danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

Michael Wolf


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